Niclas

Niclas hat sein Fachabitur in Verbindung mit dem Kaufmännischen Assistenten am Berufskolleg der Stadt Bottrop absolviert und möchte nun Energie- und Wassermanagement an der HRW studieren. Niclas möchte dadurch die Welt mitgestalten, damit die nächsten Generationen sie genauso sehen, wie wir sie noch sehen.

Niclas, 19, Berufskolleg der Stadt Bottrop

Hallo Niclas, erzähl etwas über dich, wie alt bist du, wo kommst du her? Mein Name ist Niclas, bin 19 Jahre alt und wohne in Bottrop. Zurzeit besuche ich das Berufskolleg in Bottrop und absolviere gerade mein Fachabitur in Verbindung mit dem Kaufmännischen Assistenten. Nebenbei arbeite ich im Getränkemarkt und verdiene mir etwas dazu.

Wie verlief deine Schulzeit? Welche waren deine Lieblingsfächer? Wie war dein schulischer Laufweg? Vorher war ich auf einer Realschule in Bottrop, da lief es eigentlich bei mir gar nicht gut, sondern chaotisch. Damals kam es mir auf den Spaß an statt auf die Noten, mein Schnitt lag damals etwa bei 3,3. Seit ich auf dem Berufskolleg bin, ist mein Leben erwachsener geworden und es läuft seitdem auch viel besser – mein Schnitt lag oftmals auch im Einser-Bereich. Am Berufskolleg finde ich das Thema Außenwirtschaftshandel sehr interessant, generell habe ich Spaß an den Betriebswirtschaftslehren.

Und wie geht es jetzt für dich weiter? Aktuell bereite ich mich auf meine Abschlussprüfungen vor. Ab dem Sommer möchte ich Energie- und Wassermanagement an der HRW studieren.

Kannst du dich noch daran erinnern, wie du auf diese Ideen gekommen bist? Energie- und Wassermanagement beinhaltet auch Themen aus der Betriebswirtschaftslehre. Ich finde Nachhaltigkeit wichtig und spannend und möchte mich auch dafür einsetzen. Gemeinsam mit meiner Talentscoutin Alex haben wir uns einen Überblick verschafft, es stand zu Beginn auch eine Ausbildung im Raum. Andere Studiengänge in der Richtung waren physik- und techniklastig, weshalb ich den Studiengang an der HRW für mich am passendsten fand. Auf der Realschule war das Thema Studium ganz weit weg und seit dem Berufskolleg habe ich die Entscheidung getroffen, dass ich studieren möchte. Durch eine Veranstaltung der HRW habe ich herausfinden können, dass der Studiengang genau das Richtige ist. Einmal war ich auch am Campus Bottrop für den Schnuppertag, habe am Laborrundgang teilgenommen und bei der Hochschulführung mitgemacht.

Was sagen denn deine Eltern dazu, dass du nun Energie- und Wassermanagement studieren möchtest? Ich wäre aus meiner Familie der Erste, der studieren geht. Wenn ich so darüber nachdenke, ist es schon krass, weil den Weg noch niemand von ihnen gegangen ist. Meine Eltern unterstützen meinen Plan, sie sind auch stolz darauf, dass ich mich für ein Studium entschieden habe. Es wird anstrengend, sie trauen es mir aber zu und das freut mich auch.

Wie verbringst du deine freie Zeit, engagierst du dich bspw. in irgendeiner Form? Zurzeit verbringe ich viel Zeit mit meinen Patenkindern. Ich helfe meiner Mutter bei der Gartenarbeit – in der aktuellen Lage sind die Aktivitäten recht eingeschränkt. In der Schule bin ich seit diesem Schuljahr stellvertretender Schülersprecher. Irgendwie habe ich mich kurzschlussartig zur Wahl bereitgestellt und ja… es hat geklappt! Ich bin hierfür auf Konferenzen und Sitzungen anwesend und mitzuständig für Aktionen wie z.B. die Nikolausaktionen. Wir haben bei uns am Berufskolleg auch ein Projekt durchgeführt, „Hatespeech“ hieß es. Das war ein eigener Vortrag mit Lehrenden, Stiftungen und vielen weiteren. Wir haben das Projekt geleitet, auf einer Bühne präsentiert und wir waren ehrlich gesagt auch stolz auf unsere Klasse, dass wir das selber auf die Beine gestellt haben. Wir haben monatelang daran gearbeitet und es war so ziemlich die Beste Schulerfahrung, die ich je hatte. Wir haben auch ein Video gedreht, in dem ich das Mobbingopfer gespielt habe (Anm.: Das Video dazu findest du weiter unten).

Wie hast du vom Talentscouting erfahren und wie konnte das Talentscouting dich unterstützen? Frau Krämer ist bei uns am Berufskolleg fürs Talentscouting zuständig. Es wurden zuerst diejenigen mit guten Leistungen und sozialem Engagement angesprochen und ich war überrascht, als sie auch auf mich zukam. Sie hat uns erzählt, dass Alex als Talentscoutin bei uns unterwegs ist und ich hatte dann einen Termin erhalten. Das erste Mal war ich Ende 2019 bei Alex. Es hat mich echt gefreut und mir ein schönes Gefühl gegeben, dass ich so anerkannt wurde, das ist etwas Besonderes gewesen. Mit Alex bin ich seitdem meine verschiedenen Ideen und Pläne durchgegangen und bin froh, dass sie mir bei all meinen Fragen zur Seite stand. Sie hat mich auch darauf aufmerksam gemacht, dass ich für ein Stipendium in Frage kommen könnte. Darüber habe ich vorher nie nachgedacht und sie hat mir erzählt, dass nicht nur gute Noten zählen, sondern auch die Biographie oder mein Engagement als stellvertretender Schulsprecher.

Erzähl doch mal, welche persönlichen Hürden du erlebt hast. Meine Eltern haben sich früh getrennt und ich bin bei meiner Mutter aufgewachsen. Sie hat viele Nebenjobs durchgeführt, um meine Schwester und mich zu versorgen. Davon wusste ich gar nichts und das rechne ich ihr bis heute hoch an. Wie vorhin erwähnt, war ich während meiner Realschulzeit oft unmotiviert, hatte nie Bock auf Hausaufgaben, war unkonzentriert und habe schlechte Noten geschrieben. Mein Vater litt und leidet bis heute auch an einer Erkrankung und davon habe ich mit der Zeit immer mehr mitbekommen.

Mit diesen Erfahrungen, die du gesammelt hast: Was würdest du anderen Schülerinnen und Schülern empfehlen, die sich gerade in der Studien- und Berufswahl befinden? Das Allerwichtigste, was man wissen muss – um zu wissen, was man später machen will – ist es, herauszufinden, wer man selbst ist. Man darf sich auch von anderen nichts „reinreden“ lassen und seinen eigenen Interessen und Zielen folgen. Man sollte seine Stärken aufzählen und sich bewusst sein, woran man Spaß hat. Erst dann kann man wissen, was man später beruflich machen soll. Auch sind die Schulnoten oder Fächer nicht immer das ausschlaggebendste, wenn ich z.B. gut in Deutsch bin, muss es ja nicht direkt heißen, dass ich Deutsch studieren werde.

Stärken sind ein gutes Stichwort: Beschreibe deine drei Stärken! Gute Frage! Ich würde mich als emphatisch beschreiben, als jemand, der sich gut in andere Menschen hineinversetzen kann, ihnen zuhört und Ratschläge gibt. Außerdem würde ich sagen, dass ich gut Dinge verkaufen kann. Also wenn ich von meiner Mutter etwas möchte, rede ich mit ihr und dann gibt sie irgendwann nach (lacht).

Wenn du einen Workshop halten würdest, was wäre dann dein Thema? Wenn ich einen eigenen Workshop halten würde, würde ich über Menschlichkeit und Nächstenliebe sprechen. Ich finde es schade, wie wir generell in unserer Gesellschaft miteinander umgehen. Wir müssen darüber sprechen, dass wir anderen mehr helfen sollten und nicht nur auf uns selbst achten dürfen. Es sollte selbstverständlich sein, dass älteren Menschen geholfen werden soll, wenn sie bspw. über die Straße gehen. Andererseits muss auch die Jugend von Älteren mehr respektiert werden. Ich fände es schön, wenn wir einander mehr Achtung zeigen und uns gegenseitig unterstützen.

Zum Schluss die wichtigste Frage. Vervollständige diesen Satz: „Ich bin ein Talent, weil…?“ Ich bin ein Talent, weil ich Stärken habe, mit denen ich in der Welt etwas bewegen könnte. Mit meinem Studium könnte ich zur Nachhaltigkeit beitragen. Ich will dazu beitragen, die Welt so zu gestalten, dass die nächsten Generationen sie genauso sehen, wie wir sie noch sehen.

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