Ines

Ines ist die erste in ihrer Familie, die sich auf das Abenteuer Studium einlassen würde. Deshalb findet sie das Talentscouting sehr wichtig. Was ihr Traum zu studieren mit Holland zu tun hat, erzählt sie uns in ihrem Talent-Potrait.

Talent Ines steht vor einer grünen Hecke

Ines (17), Heinrich-Böll-Gesamtschule, Oberhausen

Hallo Ines, erzähl etwas über dich, wie alt bist du, wo kommst du her? Hi, ich bin Ines, bin 17 Jahre alt, wohne in Oberhausen und besuche dort die Oberstufe einer Gesamtschule.

Wie verlief denn deine Schulzeit? Was waren deine Lieblingsfächer? Wie war dein schulischer Laufweg?  Ich bin vor diesem Schuljahr von der Realschule auf die Gesamtschule gewechselt. Dort habe ich das letzte Jahr wiederholt, weil ich meine Qualifikation nicht geschafft habe. Dafür läuft es nun auf der Gesamtschule sehr gut und ich bin mit meinem letzten Zeugnis echt ganz zufrieden (lächelt).
(Anm.: Ines hat am Tag des Interviews ihr Zeugnis mit einem Durchschnitt von 1,5 bekommen).

Was machst du denn gerne in deiner Freizeit? Bisher habe ich in meiner Freizeit sehr viel Sport getrieben. Ich war sechs Jahre lang Mitglied eines Oberhausener Kanuvereins und bin sechsmal die Woche zum Training gegangen. Allerdings habe ich im letzten Jahr wegen der Schule schon weniger trainiert und nun hat sich unsere Trainingsgruppe leider aufgelöst. Allerdings fahre ich sehr gerne Rad und reite, vor allem in den Ferien, so viel ich kann.

Außerdem habe ich schon seit ein paar Jahren einen Nebenjob auf einem Bio-Bauernhof mit eigenem Laden und Tieren. Ich arbeite dort im Laden. Mir gefällt daran sehr, dass ich mit so vielen Menschen zu tun habe, auch viele Stammkunden, die dahinkommen und einkaufen. Dass ich selbst arbeite, ist mir wichtig, damit ich mir zum Beispiel den Führerschein bezahlen kann. Ich bin so erzogen worden, selbstständig zu sein und mir zu meinem Taschengeld selbst etwas dazu zu verdienen.

In welcher Form engagierst du dich? Eigentlich engagiere ich mich gar nicht so viel. Ich fahre seit vielen Jahren in den Sommer- und Herbstferien auf einen Ferien-Bauernhof im Schwarzwald und kümmere mich da mit einer Freundin zusammen immer um die Kinderbetreuung, die Tiere und die anderen Gäste. Auch in diesen Sommerferien fahre ich wieder dorthin. Ich mache das sehr gerne, auch wenn es mit den vielen Kindern manchmal ziemlich anstrengend ist. Dafür müssen wir für den Urlaub nichts bezahlen und haben auch selbst Freizeit, in denen wir zum Beispiel reiten können.

Hast du schon eine Idee, wie es nach dem Abi in zwei Jahren für dich weitergehen wird? Da bin ich mir noch gar nicht so sicher. Ich bin ja auch erst seit einem Jahr in der Oberstufe und hatte bisher das Gefühl, dass ich noch viel Zeit habe. Jetzt ging das Schuljahr aber auch ziemlich schnell vorbei und ich denke, langsam sollte ich mir darüber mehr Gedanken machen. Ich habe bisher über verschiedene Dinge nachgedacht, wie zum Beispiel Physiotherapeutin oder Lehrerin. Dann würde ich gerne Sport und Biologie unterrichten. Die Hauptsache ist, dass ich dort mit Menschen zu tun habe und keinen langweiligen Bürojob mache. Und eigentlich würde ich schon gerne studieren, so richtig sicher bin ich mir aber noch nicht. Vielleicht mache ich auch nach dem Abi erstmal ein FSJ und nehme mir ein Jahr Zeit.

Wie bist du auf diese Ideen gekommen? Wie gesagt, so wirklich sicher bin ich mir noch nicht. Ich arbeite ja in den Ferien mit Kindern und kann mir vorstellen, das auch beruflich zu machen. Zwar lieber nicht mit den ganz kleinen, aber mit den etwas Älteren. Da passt der Beruf Lehrerin ganz gut und ich kann mir das auch gut mit meinen Lieblingsfächern Bio, Sport und Englisch vorstellen.

„Aktuell überlege ich, in Nimwegen zu studieren. Ich lerne schon jetzt in der Schule Niederländisch und möchte schauen, was ich damit später machen kann.“

Allerdings würde ich auch sehr gerne in den Niederlanden leben und auch dort studieren. Aktuell überlege ich, in Nimwegen zu studieren. Das wird mit Lehramt dann vielleicht etwas schwieriger, weil ich dann vielleicht nicht in Deutschland unterrichten kann. Aber ich lerne schon jetzt in der Schule Niederländisch und möchte mal schauen, was ich damit später machen kann.

Wie finden deine Eltern deine Pläne? Meine Mutter unterstützt mich komplett dabei und ist absolut offen, was das angeht. Ich bin die erste in meiner Familie, die studieren würde. Meine Mutter ist Krankenschwester, mein Bruder fängt in diesem Jahr eine Ausbildung bei der Deutschen Bahn an. Aber meine Mutter treibt mich schon an und schlägt mir Dinge vor. Und sie findet es sogar gut, dass ich in den Niederlanden studieren möchte. Wir sind aber auch begeisterte Holland-Fans (lacht). Aber sie will mir da auch meine Freiheiten lassen.

Es ist also schon etwas Besonderes für alle, weil ich Nicht-Akademikerin bin, aber es macht mir niemand Druck oder erwartet, dass ich auf jeden Fall studiere. Vielleicht entscheide ich mich ja doch am Ende noch mal für eine Ausbildung zur Bürokauffrau (lacht). Aber eigentlich will ich ja studieren. Schule macht mir halt Spaß, so schräg das klingt. Meine Mutter ist da schon stolz darauf, dass ich studieren möchte, aber alle sagen auch, dass ich das machen soll, was mir Spaß macht.

Wie hast du vom Talentscouting erfahren und wie konnte das Talentscouting dich denn unterstützen? Als ich auf die neue Schule kam, gab es einen Infoabend für die Oberstufe. Da wurde das Talentscouting vorgestellt. Meine Mutter hat mich dann schon dazu angetrieben, mich dort anzumelden und ich habe mir auch selbst gedacht, dass ich solche Angebote unbedingt ausprobieren sollte. Ich finde die Beratung auch wirklich hilfreich. Vor allem habe ich erst von meinem Talentscout erfahren, dass es das Schülerstipendium RuhrTalente gibt und dass ich mich da bewerben kann. Sowas kannte ich vorher gar nicht. Und weil mein Talentscout mich dann vorgeschlagen hat und mit mir gemeinsam die Bewerbung vorbereitet hat, bin ich Anfang dieses Jahres auch als RuhrTalent aufgenommen worden.

Hast du an Veranstaltungen des Talentscoutings teilgenommen? Da ich erst seit Anfang des Schuljahres im Talentscouting bin und dann Corona dazwischenkam, habe ich noch gar nicht an besonderen Veranstaltungen teilgenommen. Durch das Talentscouting und die RuhrTalente habe ich aber schon gemerkt, wie viele Angebote und Workshops es gibt und dass das eigentlich schon gut helfen kann.

Was würdest du anderen Schülerinnen und Schülern raten, die sich gerade in der Studien- und Berufswahl befinden, empfehlen? Ich würde ihnen auf jeden Fall raten, daran zu denken, dass man den Beruf vielleicht sein ganzes Leben lang ausführt und man nicht nur darauf achten sollte, wie das Gehalt und die Arbeitszeiten sind. Es ist schon wichtig, dass man Spaß daran hat und dass man sicher ist, dass der Beruf wirklich zu einem passt.

Und auf jeden Fall soll man zu Beratungsangeboten wie dem Talentscouting gehen (lacht). Es ist wirklich hilfreich, das Angebot anzunehmen, das zur Verfügung steht. Es gibt so viel Beratung, Tage der offenen Tür, andere Veranstaltungen. Das gibt es ja nicht umsonst.

„Ich bin einfach die erste, die Studieren gehen würde und den Weg gehe ich ja ohne große Hilfe. Ohne das Talentscouting wäre ich vielleicht auch ein kleines bisschen aufgeschmissen.“

Welche persönlichen Hürden hast du erlebt? So richtige Hürden hatte ich bisher noch nicht. Klar, es ist schon was Anderes, dass ich nun Abi mache und meine Mutter da manchmal auch nicht weiterweiß – außer in Bio, da kann ich sie alles fragen. Manchmal lerne ich da mit meinem Bruder, aber das klappt auch nicht immer so gut. Und ich bin einfach die erste, die Studieren gehen würde und den Weg gehe ich ja ohne große Hilfe. Aber deshalb bin ich auch froh, dass es so Programme wie das Talentscouting gibt, ohne dass ich vielleicht auch ein kleines bisschen aufgeschmissen wäre.

Wenn ich jetzt über die Frage nachdenke, dann sind das vielleicht eher Hürden, die in der Zukunft auf mich zukommen könnten. Zum Beispiel, dass ich mich mit 18 vielleicht mit meinem Vater auseinandersetzen muss, den ich eigentlich gar nicht kenne, oder mit dem Umzug nach Holland für das Studium. So ganz alleine in einem anderen Land zu leben, könnte schon eine Hürde sein.

Wenn ich einen Workshop halten würde, was wäre dann das Thema? (Überlegt länger) Ich glaube, ich könnte gut einen Workshop mit Kindern halten. Zum Beispiel wie man mit Tieren umgeht. Ich glaube, ich kann ganz gut mit einer Horde Kinder umgehen und es zu schaffen, dass alle aufpassen und mitmachen. Ich merke oft, dass viele Kinder nicht wissen, wie Tiere ticken. In den Ferienfreizeiten sind häufig Kinder, die nicht wissen, wie ein Fuchs aussieht. Ich merke, dass vielen Kindern das Wissen fehlt, dass Tiere einen eigenen Kopf haben und keine Gegenstände sind.

Was ist dein größter Traum? Ich möchte viel von der Welt sehen. Da nehme ich vielleicht auch meine Mutter ein bisschen als Vorbild, die viel von der Welt gesehen hat. Irland, Island, vielleicht würde ich mit Europa erstmal anfangen, aber ein großer Traum ist auch Kanada zu erleben. Ich finde das Land total schön. Ich würde da gerne einmal quer durch, mit dem Rucksack, unten anfangen und mich dann nach oben durcharbeiten. Und vielleicht kann ich mir irgendwann mal ein eigenes Pferd leisten.

Ich bin ein Talent, weil…? … ich sehr offen bin und sehr selbstbewusst. Mir ist es egal, wenn ich was falsch mache, was Andere über mich denken. Jeder macht Fehler. Ich bin sehr zielstrebig. Wenn ich mir einmal ein Ziel gesetzt habe, dann will ich die auch schon erreichen, einfach auch, um mich selbst stolz zu machen. Und wenn ich mir an dem Tag etwas vorgenommen habe und das dann nicht schaffe, dann bin ich manchmal auch, wie soll ich das sagen, ein bisschen sauer auf mich, weil ich mir schon denke, dass ich das locker hätte machen können.

Und weil ich so zielstrebig bin, glaube ich, habe ich mir schon ein bisschen verdient, ein Talent zu sein (lacht).