Dina

Dina kam mit ihren Eltern aus Moldawien nach Deutschland als sie 14 Jahre alt war. Sie absolvierte ihr Abitur an der Fasia-Jansen-Schule in Oberhausen und studiert nun Architektur. Welche Hürden sie durchlief und wie das Talentscouting sie unterstützen konnte, erfahrt ihr in ihrem Talentportrait.

Hallo Dina, erzähl etwas über dich – wo kommst du her und was machst du zurzeit? Ich bin Dina und komme aus Moldawien und wurde auch dort geboren. Mit 14 Jahren bin ich nach Deutschland gezogen und lebe seit sechs Jahren in Oberhausen, wo ich auch die Fasia-Jansen-Gesamtschule besucht habe. Zunächst lernte ich ein Jahr Deutsch in einer IVK-Klasse und konnte bereits nach einem Jahr mit dem Abitur beginnen, das ich auch dort absolviert habe. Zurzeit studiere ich Architektur an der Fachhochschule in Dortmund.

Wie verlief deine Schulzeit? Welche waren deine Lieblingsfächer? Wie war dein schulischer Laufweg?  Als wir nach Deutschland kamen, hatte ich etwas Schwierigkeiten wegen der Sprache. Ich habe die Sprache schnell erlernt und dann lief es relativ einfach, weil ich sehr schnell neue Sachen lerne. Ich bin, was Lernen angeht, auch sehr selbstständig und kann mir Sachen ohne Hilfe beibringen. Lieblingsfächer hatte ich wirklich noch nie, jedes Fach hat seine Vor- und Nachteile und eigentlich hat mir alles Spaß gemacht. Von Corona und dem Lockdown waren wir zum Glück nicht so stark betroffen, da wir nur bis zum April in den Schulen waren und dann für die Abiturprüfungen gelernt haben. Mein Abitur war in Ordnung, ich habe mein Wunschstudium erhalten und bin glücklich, da es immer mein Traum war. Meine Eltern sind nach Deutschland gekommen, weil in Moldawien die Berufschancen nicht so gut sind wie hier. Dort hängt es sehr stark vom Geld ab und nicht so sehr von den guten Noten.

Was machst du denn gerne in deiner Freizeit? Ich arbeite nebenbei und verdiene mir als Kellnerin etwas dazu. Zurzeit nicht wegen Corona, aber stattdessen tue ich viel fürs Studium. Ich arbeite seit ich 16 Jahre alt bin. Meine Eltern könnten mich auch finanziell unterstützen, aber ich möchte mein eigenes Geld verdienen. Ansonsten helfe ich meiner Mutter viel im Haushalt oder treffe mich mit Freunden. In letzter Zeit habe ich auch das Lesen neu für mich entdeckt. Gerade lese ich ein Buch zum Thema Selbstmanagement für Frauen und lerne, wie ich mir meinen Tag selbst organisieren kann. Fotografieren zählt auch zu meinen Hobbys.

In welcher Form hast du dich engagiert oder engagierst du dich? In meiner alten Schule habe ich bei Elternabenden geholfen, habe Essen und Trinken verkauft. Unser Schulleiter ist damals in Rente gegangen und wir sind zu den jüngeren Klassen gegangen und haben Tanzstunden für einen Flashmob durchgeführt, damit wir ihn verabschieden konnten. Das hat mir viel Spaß gemacht. Seit dem Sommer bin ich bei der CBE in Mülheim – das ist das Centrum für bürgerliches Engagement. Ich betreue zurzeit Schulkinder, also ich helfe drei Schülerinnen von der Realschule und unterstütze sie. Also ich erteile ihnen Nachhilfe und gebe ihnen Selbstvertrauen – sie können die Fächer eigentlich, aber trauen sich nicht so viel zu oder haben Angst vor Prüfungen. Wir sehen uns einmal in der Woche und ich gebe ihnen Tipps und nehme ihnen Ängste und das klappt ganz gut und es ist auch ein schönes Gefühl. Ich schlüpfe irgendwie in eine Rolle einer Lehrerin und es ist toll, ihnen auf so vielfältige Weise zu helfen.

Wie läuft dein Studium gerade? Mein Studium läuft eigentlich gut und macht mir Spaß. Im Studium ist man viel selbstständiger. Keiner rennt dir hinterher und schaut, ob du alles kannst. Zurzeit läuft alles online und ich komme gut klar. Ich konnte mir meinen Stundenplan selber erstellen und hoffe, dass die nächsten Semester an der Fachhochschule stattfinden. Spaß und Abwechslung waren für mich die Gründe, weshalb ich mich für diesen Studiengang entschieden habe. Durch ein Praktikum im Zeichenbüro bei einem Architekten habe ich gemerkt, dass nur Büro langweilig für mich wäre. Ich brauche eine Herausforderung und bei dem Praktikum war ich in verschiedenen Städten, habe viele neue Menschen kennengelernt und das hat mir total Spaß gemacht.

Wie bist du auf diese Ideen gekommen? Früher wollte ich immer Lehrerin oder Friseurin werden. In der Schule habe ich in der 11. Klasse im Kunstunterricht gemerkt, dass ich gut zeichnen kann. Meine erste Zeichnung entstand dort aus einer Schulaufgab heraus. Weil es mir so viel Spaß gemacht hat, habe ich mich dann entschieden, Architektur zu studieren und das war die beste Entscheidung, die ich getroffen habe. Die Zeichnung habe ich sogar zuhause eingerahmt. (lacht)

Wie finden deine Eltern es, dass du jetzt eine Ausbildung/Studium/etc. machen möchtest? Meine Eltern sind stolz auf mich, dass ich es geschafft habe. Mein Vater hatte Sorgen, dass ich keinen Beruf finde, aber ich habe ihm gesagt: „Papa, es werden immer neue Gebäude gebaut und restauriert werden und deshalb sind Architekten für die nächsten Jahre wichtig“. Er meinte dann: „Hauptsache du bist glücklich.“

Wie hast du vom Talentscouting erfahren und wie konnte das Talentscouting dich unterstützen? In der 11. Klasse kam ein Lehrer auf mich zu und meinte, ich soll zum Talentscout gehen – es wäre etwas für mich. Ich dachte zuerst, es wäre irgendeine Schulveranstaltung… Dann habe ich Alex kennengelernt und gemerkt, dass sie mich beim Abitur und beim Studium unterstützen möchte.

Ich bin Alex sehr dankbar, weil sie mir bei meinen Fragen immer geholfen oder Schnupperangebote mitgegeben hat. Auch bei persönlichen Tiefen war sie für mich da und hat mir zugehört – ich bin froh, dass sie jederzeit für mich da war.

Durch Alex habe ich auch beim Schnuppertag an der FH Dortmund mitgemacht und es hat mir total gefallen. Deshalb studiere ich ja jetzt auch hier.

Was würdest du anderen Schülerinnen und Schülern, die sich gerade in der Studien- und Berufswahl befinden, empfehlen? Man soll auf sich selbst hören und seine eigenen Entscheidungen treffen. Von anderen sollte das nicht abhängig gemacht werden und man soll sich selbst auch nicht stressen. Klar, es ist eine wichtige Entscheidung, aber am Ende findet man schon das Richtige.

Welche persönlichen Hürden hast du erlebt? Auf jeden Fall unser erstes Jahr in Deutschland. Ich hatte Angst, angesprochen zu werden und mich nicht verständigen zu können. Der Lebensstil und die Gesellschaft waren für mich komplett neu und ich musste mich dran gewöhnen. Im Abitur hatte ich auch einen Autounfall und es war schwierig, wieder in den Schulstoff reinzukommen. Ich war mit dem Kopf dann woanders und musste mich irgendwie in der Schule konzentrieren. Am krassesten war jedoch die Scheidung meiner Eltern während der Abitur-Prüfungszeit. Diese drei Sachen waren meine größten Hürden… Aber die haben mich auch gestärkt. Ich habe neue Seiten an mir entdeckt: ich kann Stärke beweisen und meine Ziele erreichen. Durchsetzungsvermögen und Durchhaltevermögen sind Dinge, die ich daraus erlernt habe. Alle Erfahrungen im Leben – egal, ob schön oder nicht schön – bringen einen weiter und man lernt daraus.

Was ist dein größter Traum? Mein größter Traum ist es, glücklich zu sein. Mein Glück ist es, die Menschen, die ich liebe, um mich herum zu haben. Ich brauche nicht viel mehr, um glücklich zu sein. Klar, ein Haus und Job sind auch wichtig – die machen in einem Moment glücklich, aber Liebe macht einen für immer glücklich. Vom Beruf her, wäre mein größter Traum, mich selbstständig zu machen, denn ich möchte frei sein und Abwechslung haben – sowie ich es im Praktikum erlebt habe.

Wenn ich einen Workshop halten würde, was wäre dann das Thema? Ich würde gerne mit jungen Mädchen einen Workshop durchführen. Das Thema wäre über Selbstbewusstsein und möchte ihnen zeigen „Das bin ich!“ und wie man lernt, zu sich und seinen Werten zu stehen.

Man merkt, dass viele nicht mit sich selbst zufrieden sind und ich würde ihnen mitteilen, dass jeder Mensch schön ist, eben auf seine eigene Weise.

Ich möchte jungen Mädchen sagen, dass sie alles schaffen können. Ich finde, dass viele von ihnen leider nicht so an sich selbst glauben und ich hoffe, dass meine Message sie dann erreichen kann. Der Titel könnte ja lauten „Ich bin schön, sowie ich bin“.

Ich bin ein Talent, weil…? Weil ich den Mut und die Stärke hatte, vom kleinen Mädchen herauszuwachsen und nun zu meiner Meinung stehe und konstruktiv mit der Meinung anderer umgehe. Auch wenn ich mal von anderen wegen meiner Sprachprobleme ausgelacht wurde – ich stehe zu mir und entwickle mich weiter.

Vielen Dank für das Interview, Dina! Wir wünschen wir weiterhin viel Erfolg für dein Architekturstudium und bleiben in Verbindung. Danke für deinen Einblick von deiner Schulzeit bis ins Studium. Vielleicht berichten wir in Zukunft ja mal über deinen Workshop!