Corina

Corina interessiert sich für alles rund um Biologie und Pflanzen und macht daher noch ein FÖJ, bevor sie nun an der Uni Duisburg-Essen Biologie studieren möchte. Daneben spielen Handstand und Überschlag eine wichtige Rolle.

Corina, 20, Käthe-Kollwitz-Berufskolleg

Hallo Corina, erzähl etwas über dich, wie alt bist du, wo kommst du her? Hallo! Ich bin Corina, ich werde bald 21 Jahre alt und komme aus Oberhausen und mache gerade ein Freiwilliges Ökologische Jahr (FÖJ) in einer Gärtnerei in Düsseldorf.

Wie verlief deine Schulzeit? Welche waren deine Lieblingsfächer? Wie war dein schulischer Laufweg? Meine Schulzeit war eigentlich ganz gut. Ich war erst auf der Friedrich-Ebert-Realschule und habe dann letztes Jahr auf dem Käthe-Kollwitz-Berufskolleg mein Vollabitur im Bildungsgang Gesundheitswissenschaften gemacht. Eigentlich habe ich mich nur für das Käthe interessiert, falls ich auf der Realschule mein Q nicht bekommen hätte. Dann haben sie dort den Bildungsgang Gesundheit und Soziales zum ersten Mal angeboten und das klang für mich perfekt mit den LKs Biologie und Gesundheitswissenschaften. Ich wollte schon damals in diese Richtung gehen und habe mich deshalb dafür entschieden. Generell interessiere ich mich für die Naturwissenschaften. Biologie ist mein Lieblingsfach, aber auch Mathematik und Sport.

Und wie geht es jetzt für dich weiter? Ich habe mich gerade an drei Unis für Biologie beworben und warte gerade schon sehnsüchtig, wo ich angenommen werde. Zum einen an der Uni Duisburg-Essen (UDE). Da würde ich am liebsten hin, weil es am nächsten ist und am besten zum Pendeln. Dann habe ich mich noch an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und der RuhrUni in Bochum beworben.

An der UDE habe ich auch schon Bekannte und Freunde. Meine beste Freundin wird dort studieren und ich kenne jemanden, der dort letztes Jahr angefangen hat, Biologie zu studieren, also hätte ich da jemanden, den ich ansprechen könnte, wenn ich Fragen habe.

Kannst du dich noch daran erinnern, wie du auf diese Ideen gekommen bist? Also Biologie lag schon immer so im Raum. Allerdings kannten sich meine Eltern damit nicht so aus und die haben sich immer gefragt, was man damit später machen könnte. Da hatte ich immer das Gefühl, dass sie sich wünschen würden, ich würde etwas Anderes machen, wo es klarer gewesen wäre, was ich damit später machen könnte. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich gar nicht, was ich sonst Anderes hätte machen sollen. Biologie war schon immer meins.

So richtig fest ergeben hat es sich eigentlich erst im letzten halben Jahr. Jetzt geht es darum, was ich nach dem FÖJ machen möchte. Erst hatte ich überlegt, eine Ausbildung als Gärtnerin zu machen, weil mir die Arbeit so großen Spaß macht, aber mich würde auch sehr interessieren, später in die Forschung zu gehen. Mein Traum wäre irgendwie, als Wissenschaftlerin im Bereich Botanik oder Ökologie zu arbeiten.
Deshalb denke ich, dass ich das Studium erstmal versuchen möchte. Und falls das nicht klappt, kann ich immer noch eine Ausbildung anfangen.

Was sagen denn deine Eltern mittlerweile dazu, dass du nun Biologie studieren möchtest? Mittlerweile unterstützen sie mich da und finden, dass das der richtige Weg für mich ist. Ich habe da auch viele Infoveranstaltungen besucht und mich darüber informiert, was man damit später werden kann und habe ihnen damit ein bisschen die Sorgen nehmen können.
Meine bisherigen Berufswünsche waren da für sie noch unvorstellbarer, deshalb sind sie damit jetzt ganz zufrieden. Bei der Idee, Gärtnerin zu werden, hatten meine Eltern die Sorge, dass man damit später nicht so viel Geld verdienen könnte, das hat sie schon verunsichert.
Dass ich jetzt das FÖJ mache, das finden sie mittlerweile auch richtig gut – gerade in Bezug auf Corona, weil ich jetzt eben nicht den ganzen Tag von zuhause aus in Onlinevorlesungen gesessen habe. Ich fand das Jahr Pause eigentlich immer schon ganz gut, auch weil ich nicht genau wusste, was ich machen wollte. Meinen Eltern war das anfangs ein bisschen suspekt, dass ich ein Jahr was Anderes machen wollte.

Was das Abi angeht, hatte ich immer viel für die Prüfungen zu lernen und das haben meine Eltern nicht immer verstanden. Ich bin die Erste, die das Abitur macht und meine Eltern haben häufiger gesagt, ich soll doch mal die Bücher zur Seite legen. Mittlerweile kennen sie es, meiner jüngeren Schwester sagen sie es deshalb nicht mehr.

Welche Berufswünsche hattest du denn davor? Davor wollte ich eigentlich Artistin werden. Ich war auch schon beim Tag der offenen Tür an der Fontys. Das ist eine Hochschule in den Niederlanden, an der man das im internationalen Studiengang „Artistic und Performing Art“ studieren kann. Zirkusartistin zu werden ist irgendwie immer noch ein kleiner Traum von mir, aber das fanden meine Eltern dann nicht so gut (lacht). Alleine hätte ich das nicht finanzieren können, ohne die Unterstützung meiner Eltern.

Und das machst du dann jetzt bestimmt in deiner Freizeit? Ja, die Artistik ist mein großes Hobby! Ich bin da auch in einem Verein, da machen wir viel in Richtung Zirkus. Jeder macht dann dort, was ihm gefällt. Ich mache zum Beispiel viel an Handstand-Ständern oder akrobatische Übungen wie Überschläge oder Verbiegungen. Wir bringen uns da Vieles selbst bei und helfen uns gegenseitig. Ich finde auch gut, dass wir das aus Spaß und ungezwungen machen und es dabei nicht um Wettkämpfe geht. Und ich bin ein sehr naturverbundener Mensch, bin also gerne draußen.

Wie hast du vom Talentscouting erfahren und wie konnte das Talentscouting dich unterstützen? Mit meiner Talentscout Alex konnte ich immer gut über meine Träume reden. Sie war dabei nicht so skeptisch, wie andere, was mir gut gefallen hat. Sie hat mir regelmäßig Sachen zugeschickt, durch die ich mich informieren konnte. Sie ist irgendwann einmal bei uns in den Sportunterricht gekommen und hat sich vorgestellt.

Dann sind Freunde von mir dorthin gegangen und weil ich mir auch sehr unsicher war, was ich nach dem Abi machen sollte, habe ich es dann auch mal ausprobiert. Ich würde sagen, dass ich jetzt seit gut zwei Jahren regelmäßig mit Alex spreche. Anfangs nur einmal im Monat an der Schule, aber zwischendurch haben wir auch viel per WhatsApp hin- und hergeschrieben. Ich finde toll, dass sie sich auch jetzt noch weiter um einen kümmert, obwohl die Schule ja schon vorbei ist.

Hast du neben der Beratung dann auch an Veranstaltungen des Talentscoutings teilgenommen (Talent-Talk, Workshops, etc.)? Alex hat mir immer Infos zu Infoveranstaltungen zugeschickt. Letzte Woche zum Beispiel hat eine Wissenschaftlerin, eine Doktorandin in Biologie, ein Interview gegeben. Dort hat sie viel von sich erzählt und man konnte Fragen stellen. Ich war auch bei anderen Infoveranstaltungen allgemein zu den Studiengängen, zum Beispiel an der Heinrich-Heine-Uni oder der Uni Duisburg-Essen.

Neben deinen Hobbys, engagierst du dich in irgendeiner Form noch? Ich habe mal ehrenamtlich bei den Ferienspielen gearbeitet. Da habe ich mit Freunden die Kinder dort betreut. Das ging über drei Wochen und wir konnten uns frei überlegen, was wir mit den Kindern machen wollten. Das hat mir schon viel Spaß gemacht, aber ich könnte mir auch nicht vorstellen, später jeden Tag mit Kindern zu arbeiten – das ist schon ganz schön anstrengend (lacht).

Vielleicht zählt dazu auch, dass ich die ältere meiner beiden jüngeren Schwestern häufig bei Schulsachen unterstütze. Gerade bei Mathe oder Biologie, weil das so mein Steckenpferd ist. Ich habe auch jemandem aus ihrer Klasse Nachhilfe gegeben.

Ich würde mir wünschen, dass das FÖJ noch viel bekannter wäre, weil es gerade für Leute wie mich eine tolle Sache ist, die sich naturwissenschaftlich interessieren und nicht unbedingt etwas so sehr soziales machen möchten.

Erzähl doch mal, welche persönlichen Hürden du erlebt hast! Eine große Hürde war die Bewerbung für mein FÖJ. Herausfordernd fand ich die Vorstellungsgespräche und die Probearbeiten. Ich habe gerade zu Beginn viele Absagen bekommen, weil ich nicht so groß bin und man mir die schweren Arbeiten in der Gärtnerei nicht zugetraut hat. Das war sehr schwierig, weil ich die Befürchtung hatte, gar keinen Platz mehr zu finden. Aber die letzte Stelle, bei der ich mich beworben habe, hat mir dann zugesagt. Das war für mich ein bisschen der Beweis, dass ich es konnte und dass man nicht nur nach dem Äußeren bewerten sollte. Mittlerweile habe ich mich auch sehr an die körperliche Arbeit gewöhnt. Am Anfang war es wirklich anstrengend, aber jetzt bekomme ich auch das Feedback, dass ich zwar klein und schmächtig wirke und trotzdem alles schaffe.

Und was das Abi angeht, hatte ich immer viel für die Prüfungen zu lernen und dass es so viel ist, haben meine Eltern nicht immer verstanden. Ich bin die Erste, die das Abitur macht und meine Eltern haben häufiger gesagt, ich soll doch mal die Bücher zur Seite legen. Ich merke schon, dass sie das mittlerweile kennen und deshalb bei meiner jüngeren Schwester nicht mehr so sagen.

Mit diesen Erfahrungen, die du gesammelt hast: Was würdest du anderen Schülerinnen und Schülern empfehlen, die sich gerade in der Studien- und Berufswahl befinden? Man sollte nicht immer darauf hören, was andere sagen. Besonders wenn sie meinen, dass man etwas nicht schaffen kann. Man sollte sich nicht entmutigen lassen, sondern seinen Weg gehen und zu seinen Überzeugungen stehen. Dabei ist es keine Schande, sich Hilfe zu suchen! Es kommen immer schwierige Zeiten auf einen zu, die man aber gerade mit der Hilfe von anderen Menschen schaffen kann, die einen unterstützen.

Durch das FÖJ bin ich auch sehr selbstständig geworden. Ich komme ja aus Oberhausen und arbeite in Düsseldorf und da wäre es für mich zu weit gewesen, jeden Tag zu pendeln. Ich habe hier eine eigene Wohnung bekommen durch die Einsatzstelle. Ich hatte am Anfang zwar ein bisschen Heimweh, ganz alleine von Zuhause weg zu sein, aber am Ende war es schon gut, mich um alles selbst kümmern zu müssen. An dieser Erfahrung bin ich schon ziemlich gereift und für später, wenn ich eine eigene Wohnung habe, weiß ich dann schon, wie alles so läuft.

Wenn du einen Workshop halten würdest, was wäre dann dein Thema? Oh, das ist eine schwierige Frage (überlegt lange). Vielleicht wäre es etwas zum Thema „Ausgleich finden“, mit Sport. Und, sein Hobby zum Beruf machen oder sein Hobby im Beruf ausleben können. Ich bin mir nicht so sicher, ob ich gut einen Workshop halten könnte. Vielleicht bin ich dazu auch ein bisschen zu schüchtern (lacht).

Wobei du ja schon erzählst, wie selbstständig du geworden bist, wie du mit Herausforderungen umgehst und dann auch mal ins kalte Wasser springst, trotz deiner Schüchternheit. Ja, vielleicht wäre ein Workshop-Thema auch so etwas wie: sich nicht unterkriegen lassen.

Zum Schluss die wichtigste Frage. Vervollständige diesen Satz: „Ich bin ein Talent, weil…?“ Ich bin ein Talent, weil ich meinen Weg gehe, egal was andere sagen und weil ich mutig bin, dabei neue Wege zu gehen.

Ich würde gerne zum Abschluss noch loswerden, dass ich es wichtig fänd, wenn mehr Leute wüssten, dass es neben dem Freiwilligen sozialen Jahr auch das ökologische Jahr gibt. Ich finde, das ist noch viel zu wenig bekannt, obwohl ich finde, dass es gerade für Leute wie mich eine tolle Sache ist, die sich naturwissenschaftlich interessieren und nicht unbedingt etwas so sehr soziales machen möchten. Es wäre schön, wenn das FÖJ mehr in den Schulen bekannt wäre.

Vielen Dank, Corina, und für dein Studium ganz viel Erfolg!