Charissa

Charissa möchte seit ihrer Kindheit Anwältin werden und wird als Erste aus ihrer Familie ihr Studium beginnen. Durch ihr Engagement und ihre Leistungen wurde sie zum RuhrTalent und möchte alle Talente dazu ermutigen, immer an sich selbst zu glauben.

Hallo Charissa, erzähl etwas über dich, wie alt bist du, wo kommst du her? Ich bin Charissa, ich bin 18 Jahre alt, ich wohne in Mülheim an der Ruhr mit meinen Eltern und meinem älteren Bruder und ich habe bis vor Kurzem noch die Gustav-Heinemann-Gesamtschule hier in Mülheim besucht und mein Abitur erfolgreich bestanden.

Und wie geht es jetzt für dich weiter? Ich werde voraussichtlich zum Wintersemester im Oktober anfangen Jura zu studieren. Ich würde gerne an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf studieren, aber ich habe mich natürlich noch zur Sicherheit an anderen Unis beworben, falls das nicht klappen sollte. Ich würde gerne ausziehen, damit ich mehr Platz und Ruhe habe, um zu lernen. Ich habe mich auch schon auf die Studierendenwohnheime beworben.

Kannst du dich noch daran erinnern, wie du auf die Idee, Jura zu studieren, gekommen bist? Wie ich da genau draufgekommen bin, nicht, aber ich weiß, ich wollte schon seit der 4. Klasse Jura studieren. Wirklich schon seitdem ich ein Kind war. Natürlich dachte ich auch für eine Zeit: „Oh ich werde Tierärztin oder Lehrerin hört sich auch super an…“, aber Jura war das, was sich so bei mir gefestigt hat. Vielleicht liegt es daran, dass meine Mutter, wenn ich von der Grundschule nach Hause kam, diese juristischen Serien geschaut hat. Ich habe da dann immer mitgeschaut und es kann sein, dass so mein Interesse geweckt wurde.

Was sagen denn deine Eltern dazu, dass du nun Jura studieren wirst? Meine Eltern wussten auch schon immer, dass ich Jura studieren will und sie waren auch dafür, aber ich glaube, ihnen ist nicht wirklich bewusst, was das bedeutet. Ich denke, ihnen ist bewusst, was man damit machen kann, aber der Weg dahin ist ihnen nicht ganz so bewusst – dass Jura auch so anspruchsvoll ist. Aber sie haben Vertrauen in mich gesetzt, was ich wirklich schätze.  Wenn ich es anderen Familienmitgliedern erzähle, sind sie stolz und ermutigen mich, weil es unter Anwälten, Ärzten, in Schule und so wenige People of Color gibt.

Wie verlief deine Schulzeit? Welche waren deine Lieblingsfächer? Wie war dein schulischer Laufweg? Meine LKs Englisch und Mathe waren meine Lieblingsfächer, aber auch Geschichte ist dazu gekommen. Ich würde sagen, dass mein schulischer Laufweg sehr gut war, weil ich Lehrer:innen um mich hatte, die sehr viel Beratung angeboten und geholfen haben, gerade bei dem Übergang von der Unter- zur Oberstufe. Es war wichtig für mich, dass ich diese Beratungslehrer:innen hatte. Deshalb fand ich, dass mein schulischer Laufweg –  ja –  geschmeidig lief, gerade auch als Nam dazu kam.

Wie hast du vom Talentscouting erfahren und wie konnte das Talentscouting dich unterstützen? Eine Lehrerin hat mich angeschrieben und mir von Nam erzählt. In der Schule hing zwar schon immer ein Bild von Nam und dass er Talentscout ist und man kannte das auch, aber man hat sich nichts dabei gedacht, keiner wusste so wirklich, was das ist. Wir haben uns auch gefragt, was Talente sind. Durch meine Lehrerin und Nam habe ich dann herausgefunden, dass ich ein Talent bin. Ich habe mit Nam auch sehr viel für meine Zukunft besprochen und geplant. Das hätte ich ohne ihn so vermutlich nicht geschafft, weil ich meine Eltern nicht fragen kann bzw. sie mir diese Fragen nicht beantworten können. Ich habe mich auch auf Stipendien beworben, auf die ich ohne Nam nicht aufmerksam geworden wäre. Durch Nam habe ich auch von den RuhrTalenten erfahren, wo ich erfolgreich aufgenommen wurde.
Also auf der einen Seite mit Beratung, aber es hat mir auch als Person geholfen zu erkennen, dass ich ein Talent bin und es hat mein Selbstbewusstsein, sag ich mal, hochgebracht.

Hast du neben der Beratung dann auch an Veranstaltungen teilgenommen (Talent-Talk, Workshops, etc.)? Ich habe auf jeden Fall an einigen Sachen bei den RuhrTalenten teilgenommen, z.B. bei der Veranstaltung „Zeig dich“, was so die beste und witzigste Veranstaltung war. Da hat man gelernt, selbstbewusst aufzutreten, sicher zu präsentieren und wie man vor Menschen reden kann. Da habe ich einiges mitgenommen und ich glaub, das ist sehr bedeutend auch für das spätere Leben. Die Leute waren da sehr nett und es war schön, Leute kennenzulernen für diese Tage.

Was machst du gerne in deiner Freizeit? Welche Hobbys hast du oder engagierst du dich in irgendeiner Form? Also in meiner Freizeit treffe ich mich mit meinen Freunden, wenn ich die Zeit dafür habe. Jetzt nachdem wir unser Abi bestanden haben, treffen wir uns viel häufiger. Sonst habe ich bis vor Kurzem noch ehrenamtlich im ev. Krankenhaus als „Grüne Dame“ gearbeitet. Da ich aber sehr wahrscheinlich umziehen werde, kann ich nicht mehr weitermachen damit. Ich bin auch in meiner Kirche aktiv gewesen bzw. bin es immer noch. Dort bin ich im Finanzkomitee, ich kümmere mich um Ein- und Ausgaben. Wenn wir Veranstaltungen planen, kümmere ich mich darum, wie viel Geld wir haben und investieren können. Jeden zweiten bis dritten Sonntag halte ich in meiner Kirche auch Bibellesungen und organisiere kleinere Events. Es ist viel, aber in der Gemeinde gibt es viel Verständnis und Unterstützung, vor allem, weil ich auch die Jüngste bin. Am Anfang war es schwer, allen auf Augenhöhe zu begegnen, aber alle haben mir geholfen und es einfach gemacht, mich wohlzufühlen und es ist auch toll, wenn sie mir mit dieser Verantwortung vertrauen. Das gefällt mir wirklich.

Ich würde denen empfehlen, das zu machen, was sie machen wollen. Wenn sie Interesse für etwas aufbringen, sollten sie auch danach streben und sich nicht von jemandem einreden lassen, dass sie es nicht schaffen können. Denn ich finde, sobald du selber weißt, dass du es schaffst, dann kann es dir keiner ausreden und es sollte dir auch keiner ausreden.

Ich würde auch sagen, dass es nicht schlimm ist, wenn man mal nicht die Ergebnisse bekommt, die man haben wollte, oder wenn man seine eigenen Erwartungen mal nicht erfüllt. Solche Hürden helfen einem am Ende, besser zu werden und helfen einem, zu wachsen. Man muss nicht überall die Beste oder der Beste sein.

Hauptsache, du hörst nicht auf, an dich selber zu glauben und dann wird auch alles gut werden.

Wenn du einen Workshop halten würdest, was wäre dann dein Thema? Es ist vielleicht ein Klischee, aber ich würde über Rassismus sprechen. Manchmal denke ich mir, dass andere vielleicht genervt davon sind, aber dass ich immer wieder darüber rede, zeigt ja, dass es immer noch vorhanden ist, dass es wichtig ist und dass man darüber sprechen muss. In der 12. Klasse war ich in einem Projektkurs. Der hieß „Demokratie“ und in diesem habe ich mit Freunden aus dem Kurs in jüngeren Klassen Schüler und Schülerinnen für Alltagsrassismus sensibilisiert und mit ihnen darüber gesprochen. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht und fand es sehr schön.

Zum Schluss die wichtigste Frage. Vervollständige diesen Satz: „Ich bin ein Talent, weil…?“ Ich auf der einen Seite gute schulische Leistungen hervorbringe, aber auch durch mein Engagement der Welt helfen möchte. Ich würde sagen, dass ich eine gute Persönlichkeit habe, weil es mir wichtig ist, andere Leute zu ermutigen, ihren Weg zu gehen, und weil ich versuche, optimistisch zu sein und positives Denken zu verbreiten und anderen so entgegenzukommen.